Was ist ein Wichtel eigentlich – und warum wohnt in so vielen Wohnungen im Dezember plötzlich jemand hinter einer zehn Zentimeter hohen Tür? Hier bekommst du die Kurzfassung für neugierige Eltern und eine Version, die du Kindern beim Frühstück erzählen kannst.
Der Wichtel: ein kleiner Hausgeist mit langer Geschichte
Das Wort „Wichtel“ kommt vom alten „Wicht“, einem Begriff für ein kleines Wesen. In deutschen Sagen gibt es viele solcher Hausgeister: Kobolde, Heinzelmännchen, Hausgeister, die nachts heimlich helfen oder Unsinn treiben. Am bekanntesten sind die Kölner Heinzelmännchen, die laut Sage nachts die Arbeit der Handwerker erledigten – bis jemand zu neugierig wurde und sie verschwanden.
Der Weihnachtswichtel, wie ihn Familien heute kennen, hat aber vor allem skandinavische Wurzeln.
Nisse und Tomte: die Vorfahren aus dem Norden
In Dänemark und Norwegen heißt er Nisse, in Schweden Tomte, in Finnland Tonttu. Ursprünglich war er kein Weihnachtswesen, sondern ein Hofgeist: ein kleiner, alter Mann mit grauem Bart und roter Zipfelmütze, der auf dem Bauernhof lebte, auf Tiere und Menschen aufpasste und für Ordnung sorgte.
Ein paar Dinge, die man sich über ihn erzählte:
- Er war klein, scheu und meistens unsichtbar.
- Wer ihn gut behandelte, hatte Glück auf dem Hof.
- Wer ihn ärgerte oder vergaß, bekam Ärger: verknotete Kuhschwänze, umgestoßene Eimer, verschwundene Werkzeuge.
- An Heiligabend stellte man ihm eine Schale Grütze mit einem Stück Butter hin. In Dänemark ist das bis heute als Risgrød-Schale für den Nisse bekannt.
Im 19. Jahrhundert wurde aus dem Hofgeist nach und nach eine Weihnachtsfigur. Illustrationen und Gedichte aus dieser Zeit prägten das Bild vom freundlichen Wichtel mit roter Mütze, der zur Weihnachtszeit gehört. In Skandinavien sind Wichtelfiguren bis heute fester Bestandteil der Weihnachtsdeko.
Die Wichteltür: ein Brauch aus Dänemark
Der Teil, den viele Familien hier inzwischen kennen, kommt aus Dänemark: die Nissedør, also die Wichteltür. Dort ist es in vielen Familien üblich, dass im Dezember ein Nisse einzieht. Er bekommt eine kleine Tür an der Wand oder Fußleiste, und von dort aus treibt er seine Späße. Weil er dabei gern Streiche spielt, sprechen Dänen auch vom „Drillenisse“, dem Ärger-Wichtel.
Typisch für den Brauch:
- Die Tür taucht zum 1. Dezember auf, oft mit Mini-Fußspuren oder einem Brief.
- Den Wichtel selbst sieht man nie. Man sieht nur, was er angestellt hat.
- Kinder schreiben ihm Briefe und bekommen Antwort.
- Am Heiligabend zieht er wieder aus.
Wie kam der Wichtel nach Deutschland?
Wichtelfiguren und Weihnachtsgeschichten mit Wichteln gab es hier schon lange. Der Brauch mit Tür, Streichen und Briefen hat sich aber erst in den vergangenen Jahren richtig verbreitet – vor allem über Blogs, Instagram und Erzählungen von Familien mit Verbindungen nach Dänemark. Inzwischen sieht man Wichteltüren in Wohnungen, Kitas und Klassenzimmern, und viele Bastelgeschäfte haben im Herbst eigene Regale dafür.
Dass der Brauch so schnell Freunde gefunden hat, ist kein Wunder. Er verbindet drei Dinge, die gut zu Familien im Advent passen: ein bisschen Magie, ein bisschen Chaos und ganz viel Zeit zum Basteln und Schreiben.
Übrigens: Mit dem „Wichteln“ im Büro, bei dem man anonym Geschenke tauscht, hat der Wichtel an der Tür nur den Namen gemeinsam.
So erklärst du es deinem Kind
Für Kinder reicht eine einfache Geschichte. Zum Beispiel:
„Im Norden, wo es im Winter sehr lange dunkel ist, wohnen kleine Wichtel. Sie helfen dem Weihnachtsmann. Im Dezember besuchen manche von ihnen Familien, schauen, wie es den Kindern geht, und machen dabei nachts ein bisschen Quatsch. Man sieht sie nie, weil sie sehr schüchtern sind. Aber man findet morgens, was sie angestellt haben.“
Wie viel Weihnachtsmann, Nordpol oder Christkind du einbaust, passt du an eure Familie an. Der Wichtel funktioniert auch ganz ohne große Rahmengeschichte.
Was ein Wichtel bei uns macht
Im Kern sind es drei Dinge:
- Er zieht ein – meist zum 1. Dezember, mit Tür, Koffer und Brief. Ideen dafür findest du unter Wichtel-Ankunft: 15 Ideen für den Einzug.
- Er treibt Unsinn – kleine Streiche, die morgens entdeckt werden. Über 70 Ideen mit Material und Zeitbedarf stehen in unseren Wichtelstreiche.
- Er schreibt – Briefe zur Begrüßung, zwischendurch und zum Abschied. Fertige Vorlagen gibt es bei den Wichtelbriefe.
Dazu kommt alles, was Spaß macht und Papier braucht: Wichtel-Möbel und Häuser aus unseren Wichtel-Faltbilder, kleine Papierwelten in den Wichtel-Druck-Sets und Wichtel zum Ausmalen in den Wichtel-Ausmalbilder.
Wichtel Brauch mit Augenmaß
Ein Wichtel ist kein Pflichtprogramm. Manche Familien machen jeden Tag etwas, andere nur am Wochenende. Wenn du mit wenig Aufwand starten willst, hilft unser 24-Tage-Wichtelplan. Und wenn dir unterwegs einmal der Wichtel durchrutscht: Das passiert allen. Tipps dafür gibt es unter Wichtel vergessen? Ausreden & Notfall-Tipps.
Häufige Fragen
Ist der Wichtel dasselbe wie ein Elf?
Fast. Im Englischen sagt man meist „elf“, gemeint ist aber dieselbe Idee: ein kleiner Helfer aus dem Weihnachtsumfeld. Mit den großen Elben aus Fantasy-Romanen hat er nichts zu tun.
Seit wann gibt es Wichteltüren?
Hofgeister wie Nisse und Tomte sind sehr alt. Die Tür als Familienbrauch ist dagegen eine recht junge Erscheinung aus Dänemark, die sich in den letzten Jahren auch bei uns verbreitet hat. Eine genaue Jahreszahl lässt sich seriös nicht nennen.
Muss ich etwas kaufen, um mitzumachen?
Nein. Eine Tür aus Papier, ein paar Haushaltsdinge und Zettel reichen völlig. Wie das geht, steht in Wichteltür basteln: die Anleitung.
Passt ein Wichtel auch zu Familien, die nicht religiös feiern?
Ja. Der Wichtel stammt aus Volksglauben, nicht aus einer Religion. Du kannst ihn mit Weihnachtsmann, Christkind oder ganz ohne erzählen.